Vorwort

HERAUSGEBERVORWORT

300 Jahre nach dem Tod von Hans Carl von Carlowitz, dem „Erfinder“ der Nachhaltigkeit, ist der Begriff in aller Munde. In Carlowitz‘ „Sylvicultura Oeconomica“ aus dem Jahr 1713 wird der Begriff der nachhaltigen, damals noch „nachhaltenden“ Nutzung von Naturressourcen auf bestechend einfache Weise erstmals definiert: Im Rahmen einer geregelten Forstwirtschaft sollte immer nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch wieder nachwachsen könne, um die bedeutende Ressource auch für kommende Generationen zu erhalten (vgl. Huss/ v. Gadow 2012, S. 25).

Die Brundtland-Kommission brachte diese Definition 1987 auf den allgemeineren Begriff einer Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ (Brundtland 1987).

Auf dem Weg vom Besonderen (Holz) zum Abstrakten (Bedarf) tun sich immer Lücken auf, die dazu einladen, sie mit Interpretationen zu füllen. Das ist die Herausforderung an Unternehmen, die „nachhaltige“ Produkte und Leistungen anbieten, und an jene Ratingagenturen, die diese Nachhaltigkeit bewerten – als Entscheidungshilfe für Kunden, aber auch als inhaltliche Unterstützung für Unternehmen selbst.

Die Finanzwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle: durch die unternehmerische Funktion der Institute, aber insbesondere durch die Hebelwirkung, die durch das Angebot an nachhaltigkeitstauglichen Anlageprodukten sowie in der Kreditbewilligung erreicht wird. Für die Finanzwirtschaft selbst könnte es sich aus ganz eigennützigen Motiven als bedeutsam herausstellen, nachhaltige Angebote zu machen und diese Nachhaltigkeit auch für Kunden/innen nachvollziehbar zu kommunizieren. Die Finanzkrise 2008 ist längst nicht vergessen, und das Vertrauen der Privatanleger in die Branche zurückzugewinnen ist immer noch eine entscheidende und schwierige Aufgabe, die Finanzunternehmen nicht geringschätzen sollten. Gütesiegel, die sich direkt an Konsument/innen richten und in anderen (Wirtschafts-)Bereichen bereits gut eingeführt sind, kommen auch als Entscheidungshilfe für die Privatanlage bereits zur Anwendung – wenn auch noch nicht in großem Umfang. In den kommenden Jahren dürften die „Guten Siegel“ weiter an Bedeutung gewinnen, sofern es gelingt, sie als verlässliche und vertrauenswürdige Werkzeuge für die Banken ebenso wie für die Kund/innen am Markt zu verankern.

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